EUROMEDICA 

Hanover

23-24  Mai 2011

Advanced methods of diagnosis,
treatment and prophylactics

European Academy of Natural Sciences, Hanover

European Scientific Society, Hanover


T.A. Ukhanova
A.P. Gavrilov
NEUE FORMEN DER REHABILITATION DER KINDER MIT EINER INFANTILEN ZEREBRALPARESE (IZP) UNTER DER ANWENDUNG VON EINER MIKROSTROMREFLEXOTHERAPIE
ZAO Samarischer therapeutischer Komplex “Rehazentrum”, Samara, Russland

In der ganzen russischen Föderation wird eine innovative Methode zur Rehabilitation der Patienten mit IZP – die Mikrostromreflexotherapie eingesetzt.

Die medizinische Technologie „Mikrostromreflexotherapie in der Rehabilitation der Patienten mit einer residual-organischen Gehirnschädigung und einer Infantilen Zerebralparese“ wurde vom russischen Ministerium für Gesundheit und soziale Entwicklung für die Verwendung zugelassen. Diese Methode erlaubt eine effektive Korrektur von den motorischen, sprachlichen und kognitiven Störungen.

Dabei wird eine differenzierte Einwirkung des elektrischen Stroms aus dem Mikroamperbereich, sowohl im beruhigenden, als auch in tonisierenden Modus, auf die spastischen und paretischen antagonistischen Muskeln durchgeführt. Es sorgt für die Korrektur der pathologischen Gliedmaßenstellungen und für die Verhinderung der Kontrakturentwicklung. Diese Behandlung erfolgte in einer Übereinstimmung mit den pathologischen Einstellungen, die bei einer neurologischen Untersuchung identifiziert wurden und hat eine entspannende Wirkung auf die spastischen und eine anregende Wirkung auf die paretischen Muskeln zur Folge.

Eine zusätzliche Einwirkung auf die Kraniotherapiezone führt zu einer Wiederherstellung der funktionalen Aktivität der durch die Hypoxie betroffenen Großhirnrinde, mit weiterer Verbesserung der neurophysiologischen Entwicklung. M ikrostromreflexotherapie wird meistens zusammen mit einer klassischen medizinischen Massage verwendet. Ebenfalls wird den betroffenen Eltern eine Reihe von Übungen beigebracht, die sie dann systematisch zu Hause durchführen können.

Für die Durchführung einer Mikrostromreflexotherapie in der Rehabilitation der IZP-Patienten wird ein für die Massenproduktion und die Anwendung in der medizinischen Praxis zugelassenes Gerät „Microstrom-Electroakupunktur-Computerstimulator IEAC“ benutzt.

Die Benutzung von IEAC-Gerät für die Mikrostromreflexotherapie ermöglicht es, bei einer Behandlungssitzung maximal notwendige Akupunkturpunkte zu verwenden. Das wird deshalb möglich, weil bei einer Einwirkung vom konstanten Wechselstrom aus dem Mikroamperbereich auf den Akupunkturpunkt keine Zerstörung von den Strukturen biologisch aktiver Punkte, wie sie für eine Nadelakupunktur charakteristisch ist, erfolgt.

Diese Tatsache ist im Zusammenhang mit dem Multi-Level-Charakter der zentralen Nervensystemsschädigung bei einer IZP für Erreichung ausgeprägter klinischer Effekte sehr wichtig. Die Anwendung von Mikrostromreflexotherapie erlaubt es, die Position der biologisch aktiven Punkte zu kontrollieren und das Ausbleiben eines invasiven und traumatischen Schmerzfaktors erleichtert die Arbeit vom Akupunkturarzt.

Die Mikrostromreflexotherapieprozeduren werden nach der Gebrauchsanweisung von Microstrom-Electroakupunktur-Computerstimulator „IEAC“ durchgeführt. Die Einwirkung erfolgt nacheinander, Punkt für Punkt, auf die lokale biologisch aktive Punkte bei den antagonistischen Muskeln, auf die paravertebrale biologisch aktive Punkte, auf die Kraniotherapiezonen, auf die allgemein kräftigende Punkte, sowie auf die biologisch aktive Punkte zur Eindämmung der intrakraniellen Hypertension.

Die Mikrostromreflexotherapie wird in mehreren Kursen durchgeführt, wobei jeder davon aus 15 Prozeduren besteht, mit einer einmonatigen Unterbrechung nach den ersten Kurs und einer zweimonatigen Unterbrechung nach dem zweiten Kurs.

Die Bewertung der Rehabilitationswirksamkeit erfolgte nach den folgenden Parametern:

Die Verringerung der Muskelspannung während der Behandlung wurde nach dem Punktesystem, unterschieden in dem distalen und proximalen Bereich, beurteilt. Ebenfalls wird nach den komplexen Untersuchungsergebnissen durch folgende Methoden: REG, EMG, EEG, Stabilometrie, sowie der Elektroakupunkturdiagnostik nach I. Nakatani, bewertet.

In der Kinderabteilung für Neurologie und Akupunktur des Samarischen therapeutischen Komplexes “Rehazantrum“ wurden 60 Kinder im Alter von zwei bis sieben Jahren mit der Diagnose spastische Diplegie der Infantilen Zerebralparese untersucht und behandelt. Das Ziel war eine Feststellung der Effektivität von Mikrostro mreflexotherapie. Um den Charakter und Grad der Zentralen Nervensystemschädigung von IZP-Kranken zu bestimmen, wurde auf die nichtinvasiven Diagnostikmethoden, wie Gehirn-MRT und EEG, zurückgegriffen.

In den meisten Fällen zeigte eine MRT die Anzeichen von organischen Gehirnschädigungen. Für solche Schädigungen sind eine Verdünnung der weißen Substanz, ein äußeres und inneres Wasserkopf und kleine einzelne Zysten, überwiegend hemisphärischen Lokalisation, charakteristisch.

Bei der EEG-Durchführung fand man Anzeichen für eine Desorganisation der kortikalen Rhythmus, eine Verlangsamung der bioelektrischen Hirnaktivität, sowie das Vorhandensein einer Dysfunktion oder einer Schädigung von unspezifischen Mittelgehirnstrukturen.

Bei der Feststellung der fokalen epileptimorphen Aktivität wurden die Kraniotherapiezonen in der Projektion der angegebenen Gebiete nicht verwendet. Die motorische Aktivität der Kinder war weitgehend reduziert, es wurde eine Entwicklungsstörung von solchen notwendigen motorischen Fähigkeiten wie Krabbeln, selbständiges Sitzen, sowie selbständiges Stehen und Gehen beobachtet.

Während der neurologischen Untersuchung wurden bei allen 60 Patienten für eine spastische Diplegie typische pathologische Stellungen der unteren Extremitäten festgestellt. Von ihnen kam der “Ballerina”-Typ bei 42% und der „Dreifachbeugung”-Typ bei 58% der Patienten vor. Eine Erhöhung des Muskeltonuses in den oberen Extremitäten wurde bei 45 Patienten (75%) festgestellt. Davon zeigte sich bei 28 Patienten (47%) ein mäßiger Anstieg des Muskeltonuses mit einer Verlangsamung der Feinmotorikentwicklung und bei 17 Patienten (28%) - ein erhöhter Muskeltonus der oberen Extremitäten mit einer Entwicklungsstörung der motorischen Fähigkeiten der Hände.

Alle 60 Kinder mit der IZP bekamen eine Grundbehandlung mit den wiederholten Massagen der Extremitäten und den Physiotherapieübungen. Sie wurden mit Hilfe der Randomisierungsmethode in zwei Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe beinhaltete 30 Patienten, die eine wiederholte Mikrostromreflexotherapie nach der oben genannten Methode bekamen. Die zweite Gruppe bestand aus 30 Patienten, die begleitend zur Grundbehandlung bestimmte Medikamente (Kogitum, Pantogam, Glycin, Tanakan) unter der Alterberücksichtigung einnahmen, deren Wirkung auf eine Korrektur der neurotrophische Prozesse des Zentralnervensystems und der zerebralen Hämodynamik gerichtet war.

Als Ergebnis der durchgeführten Behandlung von Kindern mit einer diplegischen Form der IZP wurde festgestellt, dass sich in der ersten Gruppe bei 65% der Patienten eine positive Dynamik in Form vom reduzierten Ausdruck des Muskeltonuses in den Extremitäten zeigte. In der zweiten Gruppe war es nur bei 32% der Fall.

Es wurde bei den Kindern eine Korrektur der typischen pathologischen Extremitätenstellungen im Form einer Reduktion der Chiasmaexpression (von den Hüften bis zu den Knien, im unteren Drittel der Beine oder der Füße) oder die Verminderung des Grad einer Gelenkbeugung der unteren Extremitäten (ab einer Unmöglichkeit passiver Beugung bis zur vollen aktiven Beugung) festgestellt. In der ersten Gruppe waren es 66% der Fälle und in der zweiten Gruppe 21% der Fälle. Ebenfalls zeigte sich eine Reduktion der pathologischen Stellungen in Form von Belastung der Fußvorderkante (von den Fingerspitzen auf die Vorderkante des Fußes, bis zum periodischen Heben der Fersen von der Oberfläche) in der ersten Gruppe in 62% der Fälle und in der zweiten – in 24% der Fälle.

Bei der Steigerung der körperlichen Aktivität und der Verbesserung der vorhandenen motorischen Fähigkeiten, bzw. die Entwicklung neuer Fähigkeiten (Kreuzkrabbeln, selbständiges Sitzen, selbständiges Stehen und Gehen) lag die Gruppenverteilung entsprechend bei 64% und 28% der Fälle.

Auf dieser Weise verbessert der Gebrauch von Mikrostromreflexotherapie bei der komplexen Behandlung von den Patienten mit organischer Gehirnschädigung, unter anderem bei der spastischen Diplegie der IZP für die Korrektur der pathologischen Stellungen und motorischen Fähigkeiten die Effektivität der Rehabilitation.

Die Rehabilitationskurse werden ambulatorisch in zehn medizinischen Zentren „Rehazentrum“, die sich in verschiedenen Regionen Russlands befinden, durchgeführt.

Die wohltätigen Einrichtungen, die diese Rehabilitationskurse bezahlen, erlauben es, die finanziellen Aufwendungen der Eltern zu reduzieren.